Kinder- und Jugendärzte fordern die Beibehaltung der geltenden Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide

Berlin, 28.02.2019

 Mitte Januar 2019 hat eine Gruppe von 112 Lungenfachärzten durch einen Rundbrief für große Verunsicherung in der Bewertung des Gefährdungspotentials von Stickoxiden und Feinstaub sowie entsprechender Grenzwerte gesorgt. Ohne dafür neue wissenschaftliche Studien vorzulegen, vertraten die Verfasser die Ansicht, dass es keine belastbare Begründung für die derzeit geltenden Grenzwerte gebe.

 Die Gesellschaft für pädiatrische Pneumologie (GPP) stellte in einer am 30. Januar 2019 veröffentlichten Stellungnahme demgegenüber klar, dass die Kinderlungenfachärzte hinter den Grenzwert-Empfehlungen der Weltgesundheits-organisation (WHO) stehen: „Wissenschaftliche Aussagen pauschal in Frage zu stellen, ohne hierfür Belege anzuführen, ist unseriös. Wer öffentlichen Zweifel an dem gesundheitsschädlichen Potential von Luftschadstoffen sät, ohne hierfür wissenschaftliche Arbeiten zu zitieren, verletzt die Grundsätze ärztlich wissenschaftlichen Handelns.“

Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen belegen die gesundheitsschädliche Wirkung von NO2 und Feinstaub. Seit 30 Jahren überprüft die WHO regelmäßig die Grenzwerte und hat auch zuletzt wieder die Richtigkeit des 40 µg/m³ Grenzwertes für NO2 bestätigt. Auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), die European Respiratory Society (ERS) und das internationale Forum der pneumologischen Fachgesellschaften (FIRS) weisen übereinstimmend auf die gesundheitlichen Gefahren einer erhöhten Exposition mit Luftschadstoffen hin.

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ): „Kinder und Jugendliche gehören zusammen mit schwangeren Frauen, Älteren und unter chronischen Atemwegserkrankungen leidenden Menschen zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen hinsichtlich der gesundheitlichen Auswirkungen von Luftschadstoffen. Die in der Stellungnahme der 112 Lungenfachärzte eingeräumte „sehr geringe Risikoerhöhung in staubbelasteten Gebieten, meistens nur um einige Prozent“, bedeutet, dass wir es statt mit 100 jeweils mit 103 oder 105 betroffenen Säuglingen und Kindern und ihren Problemen zu tun haben: Früh- und Mangelgeburten, Entstehung von Asthma und Asthma-Anfällen, Atemwegsinfekte, wahrscheinlich auch Diabetes und Adipositas sind die Folge. Wir wissen um diese Gefährdungen für betroffene Kinder in Städten durch krankmachende Außenluft. Die Schadensvermeidung ist aus unserer Sicht ein Kernelement ärztlicher Handlungsethik. Die Beibehaltung der derzeitigen Grenzwerte ist deshalb erforderlich, um wenigstens im bisherigen, nicht immer zureichendem Maße die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu schützen.“

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin ist der Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Verbände Deutschlands. Sie koordiniert die gemeinsamen gemeinnützigen Ziele und Aufgaben der verschiedenen Fachgesellschaften und Verbände, die sich im Interesse der Kinder- und Jugendmedizin unter ihrem Dach zusammengeschlossen haben. Sie vertritt diese nach außen durch fortlaufende Erstellung und Umsetzung eines Katalogs gemeinsamer Aufgaben im Zusammenhang mit der gesundheitlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen.

Diese Pressemitteilung als PDF-Datei finden Sie hier.

 Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Hans-Iko Huppertz, Generalsekretär
Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V.
Dachverband der kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften
Chausseestraße 128/129
10115 Berlin
Tel. 030.4000588-0
Fax 030.4000588-8
kontakt@dakj.de

 

 

nach oben