Parlamentarisches Frühstück der DAKJ 2018

Bericht zum parlamentarischen Frühstück „„Wie gut kann/will Deutschland seine Kinder zukünftig versorgen?“ am 26. April 2018, Berlin

Obwohl das parlamentarische Frühstück bereits um 7.30 begann waren zahlreiche Parlamentarier der Einladung gefolgt. Rund 46 Teilnehmer – darunter 14 Abgeordnete sowie 7 Mitarbeiter aus Abgeordnetenbüros – hatten sich vor Beginn der Plenardebatten die Zeit genommen, um einen Blick in die Zukunft der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland zu werfen.   

Eingeladen hatte die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ) zu dem bewusst zugespitzt formulierten Thema „Wie gut kann/will Deutschland seine Kinder zukünftig versorgen?“ Ein wichtiges Ziel der Veranstaltung war es, die Abgeordneten dafür zu sensibilisieren, welche Bedeutung eine qualifizierte Versorgung von Kindern und Jugendlichen für das gesamte deutsche Gesundheitswesen hat.

Der Generalsekretär der DAKJ, Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz , begrüßte die Gäste, erklärte die Rolle der DAKJ als Dachverband der deutschen kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften und Verbände und führte die Zuhörer anhand einiger anschaulicher Beispiele seiner Tätigkeit als Leiter der Bremer Kinderklinik kurz in die Thematik ein. Er appellierte an die Parlamentarier, die von den Regierungsparteien im Koalitionspapier in Aussicht gestellte Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz zu unterstützen. Kinder sollten als eigenständige Rechtssubjekte ins Grundgesetz aufgenommen, der Vorrang des Kindeswohls bekräftigt und das Recht auf Schutz, auf bestmögliche Förderung sowie auf Beteiligung und altersangemessene Berücksichtigung ihrer Meinung festgeschrieben  werden.  

Prof. Ingeborg Krägeloh-Mann, Vorstandsmitglied der DAKJ und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ) wies in ihrem Vortrag zunächst auf die Bedeutung eines nationalen Forschungszentrums für Kindergesundheit,  nicht zuletzt auch für die medizinische Versorgung von Kindern- und Jugendlichen, hin. Der wirtschaftlich rentable Betrieb von Kliniken/Abteilungen für Kinder-und Jugendmedizin sei zunehmend schwierig, weil stationäre Kinder- und Jugendmedizin aufgrund ihrer Struktur im Vergleich zu anderen Fachgebieten benachteiligt ist (u.a. hohe Notfallquote sowie  höhere Vorhaltekosten bei einer größeren Bandbreite an medizinischen Leistungen). Die  im Rahmen einer leitliniengerechten Therapie oftmals unvermeidliche Off-label-use-Medikation mit für Patienten im Kindesalter nicht zugelassenen Arzneimitteln führe zu erheblichen Risiken, weil seitens der GKV keine Erstattungspflicht besteht und die Hersteller in diesen Fällen keine Haftung übernehmen. Schließlich brachte Frau Professor Krägeloh-Mann ihre Sorge um einen Fortbestand einer qualifizierten Kinderkrankenpflege zum Ausdruck. Angesichts der momentanen Fokussierung auf die Altenpflege drohten die Belange kranker Kinder und Jugendlicher bei der Diskussion um eine zukünftige Ausbildungs- und Prüfungsverordnung an den Rand gedrängt zu werden.

Hier finden Sie den Abstract der DGKJ.

Dr. Thomas Fischbach, Vorstandsmitglied der DAKJ und Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) umriss  in seinem Vortrag zunächst die stark gestiegenen  Anforderungen, denen sich niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte in ihrer Arbeit heute stellen müssen. Präventionsleistungen, die Behandlung sogen. neuer Morbiditäten und psychosomatischer Erkrankungen sowie die Betreuungsintensität chronisch kranker Kinder haben in den letzten drei Jahrzehnten deutlich zugenommen. Sich verändernde Rahmenbedingungen im Berufsstand machten es zunehmend zu einer Herausforderung, diese unbestritten sinnvollen Aufgaben zusätzlich zu der akutmedizinischen Behandlung von Kindern zu erledigen: In den nächsten 5 Jahren werden ca. 25 % der deutschen Pädiater in den Ruhestand gehen.  Steigende Teilzeitarbeit und dadurch bedingte deutlich niedrigere ärztliche Arbeitszeitvolumen werden bereits jetzt bestehende Engpässe in der Versorgung tendenziell verschärfen. Gefordert seien  andere Praxismodelle und zusätzliche Versorgungsaufträge zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die politische Diskussion über diese Fragen werde aber leider dadurch erschwert, dass aufgrund einer völlig überalteten Bedarfsplanung immer noch viele Bereiche, in denen Kinderärztemangel besteht, aufgrund des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes als „überversorgt“ ausgewiesen würden.

Hier finden Sie den Abstract des BVKJ.

Im Vorfeld hatten die beiden Referenten die aus ihren Vorträgen abgeleiteten Forderungen zusammengestellt, um diesen den Abgeordneten mit auf den Weg zu geben. Sie können diese Forderungen an die Politik anlässlich des parlamentarischen Frühstücks der DAKJ hier nachlesen.

In einer  sich an die beiden Impulsvorträge anschließenden regen Diskussion konnten die von den beiden Referenten angesprochenen Themenbereiche weiter vertieft werden. Viele der anwesenden Fachpolitiker sicherten zu, die spezifischen Belange der Kinder- und Jugendmedizin  bei den in den nächsten Jahren anstehenden Reformdebatten um eine bestmögliche medizinische Versorgung der Bevölkerung noch intensiver miteinbeziehen zu wollen.

Herr Professor Huppertz bedankte sich abschließend  bei allen Anwesenden für Ihre Teilnahme und die rege Diskussion. Eine nachhaltige Berücksichtigung kinder- und jugendmedizinischer Belange in der Gesundheitspolitik könnte durch die Vermeidung bzw. Reduzierung  von Folgeerkrankungen im Erwachsenenalter mittel- und langfristig zu erheblichen Einsparungen im Gesundheitswesen führen.  Die physische und psychische Gesundheit nachwachsender Generationen stelle darüber hinaus  einen wichtigen Grundpfeiler für fast alle Bereiche einer Gesellschaft dar. Insofern seien Investitionen in die Kinder- und Jugendmedizin eine Investition in die Zukunft mit hoher Rendite für alle Teile der Gesellschaft. 

Weitere Eindrücke von der Veranstaltung erhalten Sie hier:

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